Die DAB-Abschaltung in der Schweiz 2024: Was erwartet uns?
Der Radiomarkt in der Schweiz steht vor einem historischen Wandel: Bis Ende 2024 soll die analoge Ultrakurzwelle (UKW) endgültig abgeschaltet werden – und damit eine Empfangsart, die seit Jahrzehnten zum Alltag gehört. Doch was bedeutet das konkret für Hörerinnen und Hörer? Welche Alternativen gibt es zum klassischen UKW-Radio? Und wie sieht die Zukunft des Radios in einer digitalisierten Welt aus? Hier findest du einen praxisorientierten Überblick über alles, was du zur UKW-Abschaltung und zum digitalen Radio (DAB+) wissen musst.
Warum wird UKW abgeschaltet?
Technisch gesehen ist UKW überholt: Die analoge Übertragung ist ineffizient, teuer und bietet nur begrenzte Programmvielfalt. DAB+ (Digital Audio Broadcasting) ermöglicht eine größere Senderauswahl mit besserer Klangqualität, stabilerem Empfang und geringeren Betriebskosten. Zudem wird damit der Weg für zukunftsfähige Technologien wie Hybridradio oder Internetempfang frei.
Die Landesregierung sowie die grossen Radioanbieter SRG, VSP (Verband Schweizer Privatradios) und UNIKOM (Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios) haben sich 2020 gemeinsam auf einen schrittweisen Ausstieg aus UKW geeinigt – ein Prozess, der 2024 seinen Abschluss finden soll.
Ein Blick zurück – und nach vorn
UKW ist seit den 1950er Jahren Teil des Schweizer Alltags. Viele von uns erinnern sich an das Drehen am Sendersuch-Rädchen oder den unverwechselbaren „Rausch-Effekt“, wenn man auf einen leeren Kanal stößt. Mit DAB+ ändert sich das Hörerlebnis radikal: Statt Frequenzsalat erwartet den Nutzer eine klare Menüstruktur – vergleichbar mit der Senderauswahl im Fernsehen.
Importante Frage: Ist DAB+ wirklich so viel besser? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an.
Vorteile von DAB+ im Überblick
- Mehr Programme: Regional ist der Empfang von über 40 Sendern möglich – oft auch Spartenprogramme, die über UKW gar nicht verfügbar waren.
- Bessere Qualität: DAB+ bietet digital klaren Klang – ohne Rauschen, egal ob in den Bergen oder im Tunnel (vorausgesetzt, der Empfang ist ausgebaut).
- Stabilität unterwegs: Besonders im Auto merkt man deutlich weniger Empfangslöcher als bei UKW – spannend z. B. auf einer Fahrt durchs Wallis oder durchs Tessin.
- Zusatzinformationen: Viele Sender bieten über DAB+ ergänzende Inhalte wie Titel, Interpret, Nachrichten-Ticker oder Wetterinfos am Display.
Was du jetzt tun solltest – ganz praktisch
Falls du derzeit noch UKW hörst, ist es höchste Zeit, sich mit den Alternativen vertraut zu machen. Wichtig: UKW-Geräte werden nach der Abschaltung nicht unbrauchbar sein – man wird nur damit keine Radiosender mehr empfangen können. Vor allem im Auto oder auf alten Küchengeräten ist ein Umstieg also empfehlenswert.
Hier ein paar Tipps für die Umstellung:
- Radios checken: Prüfe, ob deine Geräte bereits DAB+-fähig sind. Viele neuere Modelle (nach 2015) unterstützen den Standard bereits.
- Auto aufrüsten: Ältere Fahrzeuge lassen sich mit Adapterlösungen einfach nachrüsten. Investition: circa 60–150 CHF.
- Internet nutzen: Für zu Hause bietet sich Internetradio als Alternative an – besonders, wenn WLAN vorhanden ist. Geräte kosten zwischen 100 und 300 CHF.
- Apps entdecken: Mit Apps wie RadioPlayer oder TuneIn lässt sich Radio ganz einfach über das Smartphone hören – ideal für unterwegs oder beim Wandern mit Kopfhörer.
Was passiert mit den UKW-Frequenzen?
Eine berechtigte Frage, die viele beschäftigt: Was passiert mit den frei werdenden Frequenzen? Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch unklar, wie die UKW-Bänder künftig genutzt werden. Fakt ist: Sie sind für andere Funkdienste wenig attraktiv, da z. B. Mobilfunk neue Bänder nutzt. Es wird also eher eine Abschaltung als eine unmittelbare Umnutzung stattfinden.
Für Nostalgiker bedeutet das: Der UKW-Empfang könnte irgendwann komplett verstummen. Die Geräte selbst behalten jedoch ihren Sammlerwert – ähnlich wie Kassetten-Recorder oder Plattenspieler.
Wie bereit ist die Schweiz für DAB+?
Laut dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) nutzen bereits über 80 % der Haushalte in der Schweiz Digitalradio – entweder über DAB+ oder das Internet. Zudem steigt der Anteil von DAB+-Radios kontinuierlich, da viele Haushaltsgerätehersteller und Autohersteller ihre Modelle serienmäßig damit ausstatten.
Gerade in abgelegenen Regionen – etwa im Engadin, im Jura oder im Oberwallis – ist der Netzausbau relevant. Hier hat die SRG in den letzten Jahren massiv investiert. Der Empfang wurde flächendeckend verbessert, sodass auch Wanderfreunde auf abgelegenen Pfaden nicht auf ihre Lieblingssender verzichten müssen.
Spezialfall Bergregionen: Empfang vs Realität
Ein typisches Szenario: Wanderung durch das Bleniotal, irgendwo zwischen Malvaglia und der Capanna Bovarina. UKW rauscht, das Handy hat keinen Empfang – aber DAB+ spielt SRF 1 klar und durchgängig. Der Grund: Digitale Signale haben eine höhere Reichweite und geringere Störanfälligkeit gegenüber topografischen Hindernissen.
Willst du also auf deiner nächsten Tour durch das Goms oder am Fusse des Niesen Musik, Nachrichten oder eine kulturelle Sendung hören, ist DAB+ dein treuester Begleiter. Wichtig ist jedoch, ein Gerät mit guter Antenne zu wählen – besonders in den Bergen kann das den Unterschied machen.
Wie geht es langfristig weiter? DAB+ als Zwischenlösung?
Auch wenn DAB+ heute als Zukunft des Radios gilt, sind die technologischen Entwicklungen längst weiter. Immer mehr Experten sehen DAB+ als Übergangstechnologie – ähnlich wie DVD oder MiniDisc. Das eigentliche Potenzial liegt im hybriden Hören: also DAB+, Internetstreaming und On-Demand-Angebote (Podcasts, Audiotheken).
Smart Speaker und Sprachassistenten wie Alexa oder Google Home verändern das Hörverhalten ebenfalls. Wer morgens sagt: „Spiele SRF 3“, bekommt genau das – ohne Frequenz, ohne Knöpfe, ohne Rauschen. Flexibilität gewinnt.
Dabei ist klar: Das klassische Radio wird nicht sterben. Es wird sich verändern – in Inhalt, Form und Zugang. Statt Linearität kommt Personalisierung. Statt analoger Technik erwarten uns intelligente Algorithmen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Tipps für unterwegs – Radio auf Reisen
Wenn du viel in der Schweiz mit dem Auto unterwegs bist oder gerne wanderst, könnten folgende Empfehlungen nützlich sein:
- Digitale Taschenradios: Es gibt kompakte DAB+-Empfänger mit Akku oder Solarzelle – passen in jeden Rucksack und liefern stundenlang Empfang.
- Offline-Podcasts: Lade vor der Reise Sendungen herunter, z. B. die SRF-Hörspiele oder DOK-Sendungen – ideal für Hüttennächte ohne Empfang.
- Bluetooth-Lautsprecher mit Radiofunktion: Praktisch beim Campen oder auf langen Zugfahrten. Einige Modelle kombinieren DAB+, Internet und klassische Wiedergabe via Smartphone.
Fazit – der Wandel ist da, aber er ist machbar
Die UKW-Abschaltung mag wie ein Einschnitt wirken, doch sie ist ein logischer Schritt hin zu modernerer, effizienterer und vielfältigerer Radiolandschaft. Wer frühzeitig auf DAB+ umsteigt und sich mit den digitalen Möglichkeiten vertraut macht, wird belohnt – mit mehr Auswahl, besserem Klang und flexibler Nutzung.
Ob beim Fotografieren im Aargauer Jura, während einer Kulturreise in die Romandie oder auf einer Solo-Wandertour durchs Appenzellerland – guter Empfang ist auch ohne UKW kein Problem mehr. Die Zukunft des Radios ist hörbar digital – mach dich bereit!