Winterabenteuer in Weissenberge: Die wohl schönste Schlittelstrecke im Glarnerland
Wer den Winter nicht nur im Skigebiet verbringen will, sondern abseits der Pisten ein echtes Naturerlebnis sucht, findet im Glarnerland eine der eindrucksvollsten Schlittelstrecken der Schweiz: den Schlittelweg von Weissenberge nach Matt. Eingebettet in eine verschneite Bergkulisse, gespickt mit rasanter Fahrfreude und guter Erreichbarkeit, bietet diese Abfahrt alles, was das Schlittlerherz begehrt.
Weissenberge – ein verborgenes Winterparadies
Weissenberge liegt oberhalb von Matt im Sernftal und ist nur mit einer kleinen Seilbahn erreichbar – genau das macht den Reiz dieses Ortes aus. Keine überfüllten Parkplätze, kein Lärm. Stattdessen erwartet den Besucher eine beinahe mystisch stille Winterlandschaft, die sich nach der kurzen Bergfahrt in ihrer vollen Schönheit zeigt. Die Weissenberge liegen auf etwa 1260 m ü. M. und bieten damit ideale Schneeverhältnisse von Dezember bis Anfang März.
Bereits die Anreise ist Teil des Erlebnisses. Die Seilbahn Matt–Weissenberge schwebt rund zehn Minuten über das tief verschneite Tal und eröffnet beeindruckende Ausblicke auf die umliegenden Berge. Oben angekommen, fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt – ruhig, reduziert und authentisch alpin.
Die Schlittelroute im Überblick
Die rund 3 km lange Schlittelstrecke führt von der Bergstation Weissenberge auf einer gut präparierten und durchgehend gesicherten Naturstrasse zurück ins Tal nach Matt (820 m ü. M.). Während der gesamten Abfahrt überwindet man dabei etwa 440 Höhenmeter. Die Strecke ist abwechslungsreich, bietet einige schnelle Kurven, flachere Abschnitte zum Verschnaufen und wunderbare Panoramablicke auf die Glarner Alpen.
Besonders eindrucksvoll ist die Passage durch den verschneiten Wald, in dem der Schnee wie Watte auf den Ästen liegt und der Schlitten beinahe geräuschlos dahingleitet. An sonnigen Tagen lohnt sich ein kurzer Stopp auf den Lichtungen entlang der Strecke – ein idealer Ort für ein Winterpicknick oder einfach nur, um die Stille zu geniessen.
Wer sollte sich die Abfahrt nicht entgehen lassen?
Die Schlittelstrecke ist für jedermann geeignet – von Familien mit Kindern bis hin zu erfahrenen Schlittlern, die gerne etwas Tempo machen. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte allerdings beachten, dass es einige schnellere Kurven gibt, in denen man den Schlitten gut im Griff haben sollte.
Für ambitionierte Abfahrer bietet sich die Möglichkeit, die Strecke mehrere Male zu befahren. Die Bahn fährt im Winter regelmässig, und es steht ein bequemer Tagespass zur Verfügung, mit dem beliebig viele Fahrten möglich sind.
Praktische Tipps für einen gelungenen Schlitteltag
Um den Schlitteltag in Weissenberge optimal zu gestalten, lohnt sich ein wenig Planung. Hier einige Tipps aus eigener Erfahrung:
- Schlittenmiete in Matt: Wer keinen eigenen Schlitten hat, kann direkt an der Talstation Matt einen traditionellen Davoser Schlitten mieten.
- Warme Kleidung: Auch wenn es beim Schlitteln heiss hergeht – wetterfeste und warme Kleidung ist Pflicht. Besonders empfehlenswert: Skibrille, Helm und wasserdichte Handschuhe.
- Früh starten: In den Ferienzeiten und an Wochenenden kann es auch hier etwas voller werden. Wer früh kommt, profitiert von unberührten Schneebahnen und kürzeren Wartezeiten an der Bahn.
- Einkehrmöglichkeiten: Direkt bei der Bergstation liegt das heimelige Berggasthaus Edelwyss, das lokale Spezialitäten wie Älplermagronen oder hausgemachte Rösti serviert – ideal, um sich vor der Abfahrt zu stärken oder nach dem letzten Run aufzuwärmen.
- Abendliches Schlitteln: An gewissen Samstagen bietet die Bahn Nachtschlitteln an – Stirnlampe nicht vergessen! Ein echtes Highlight mit speziellem Charme.
Ein Erlebnis auch für Fotografierende
Für Outdoor-Fotografen ist Weissenberge ein lohnender Spot – besonders bei klarer Sicht. Das Morgenlicht, das durch die Tannen bricht, oder die blaue Stunde über den verschneiten Hängen bieten fantastische Bedingungen für stimmungsvolle Bilder. Eine besonders spektakuläre Perspektive ergibt sich, wenn man den Blick ins Tal mit gleitendem Schlitten im Vordergrund kombiniert – vielleicht etwas tricky, aber lohnend.
Auch ohne Kamera lohnt sich der bewusste Blick in die Landschaft: die markanten Gipfel des Glärnisch, das ruhige Sernftal im Winterkleid, die Rauhreif-bedeckten Zäune entlang der Strecke – nichts wirkt übertrieben inszeniert, alles scheint genau dort zu sein, wo es hingehört.
Gut zu wissen: Infos zur Seilbahn und Strecke
- Standort: Talstation Seilbahn Matt–Weissenberge, Matt (GL)
- Betriebszeiten im Winter: Täglich bei guten Schneeverhältnissen, meist von 9:00 bis 16:30 Uhr
- Preise: Tageskarte für Schlittler inkl. Transport ca. CHF 20.–; Einzel- und Familienangebote verfügbar
- Parken: Kostenlose Parkplätze direkt bei der Talstation Matt
- Erreichbarkeit mit ÖV: Mit dem Zug bis Schwanden GL, weiter mit dem Bus nach Matt; Fahrpläne beachten
- Weitere Informationen und Betriebsstatus: weissenberge.ch
Persönliche Notiz aus dem Schlitten
Ich war an einem klirrend kalten Januartag vor Ort – frischer Pulverschnee, blauer Himmel, kaum Leute. Die erste Abfahrt war ein Aha-Erlebnis: schnell, aber kontrollierbar; wild, aber sicher. Das Gefühl, durch ein verschneites Bergdorf zu gleiten, das nur über eine Seilbahn erreichbar ist, hatte etwas Filmreifes. Nach der dritten Abfahrt stellte sich Routine ein – und ein breites Grinsen, das bis zur letzten Kurve anhielt.
Es ist wohl genau diese Mischung aus Abgeschiedenheit, Naturnähe und sportlicher Aktivität, die die Schlittelabfahrt von Weissenberge so besonders macht. Zwischen hochprofessionellen Skigebieten und touristischen Massenabfertigungen bleibt sie ein Stück Winteridylle, das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Wer also das Glarnerland einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchte – mit kalter Luft im Gesicht, Schnee im Haar und einem bremsbereiten Lächeln auf den Lippen – der sollte diesen Ausflug ganz oben auf die Winterliste setzen.