Ein Erlebnis der besonderen Art in den Engadiner Alpen
Im kleinen Engadiner Dorf Zernez, eingebettet in die faszinierende Kulisse des Schweizer Nationalparks, trifft jedes Jahr eine bunte Mischung aus Kunstinteressierten, Musikliebhabern und naturverbundenen Freigeistern aufeinander: Das Burning Mountain Festival. Wer bei der Bezeichnung an das berühmte Burning Man in Nevada denkt, liegt nicht ganz falsch – doch dieses Alpenfestival hat seinen ganz eigenen Charakter, geformt von Kreativität, Naturverbundenheit und friedlicher Feierkultur.
Kunst und Feuer im Herzen der Berge
Das Herzstück des Festivals ist zweifellos die Kombination aus psychedelischer Kunst, elektronischer Musik und einem stark naturbezogenen Lebensstil. Über vier Tage hinweg verwandelt sich der Talboden am Inn in eine lebendige Bühne der Selbstdarstellung und Transformation. Kunstinstallationen aus Holz, Metall und recycelten Materialien schmücken das Gelände. Farbenfrohe Lichtprojektionen tanzen nachts über Bäume und Skulpturen, während das Tageslicht die Werke in eine ganz andere Ästhetik taucht.
Besonders eindrücklich: die namensgebende Verbrennung der Bergskulptur – ein ritueller Höhepunkt gegen Ende des Festivals. Die rund zehn Meter hohe Skulptur, meist von lokalen Künstler:innen erschaffen, wird in einem feierlichen Akt verbrannt. Der Moment ist intensiv: Musik, Flammen und die kollektive Energie der Anwesenden schaffen eine Atmosphäre, die irgendwo zwischen Meditation und Ekstase liegt.
Musik, die verbindet
Auf mehreren Bühnen wird nahezu rund um die Uhr elektronische Musik gespielt – jedoch nicht irgendeine: Psytrance, Progressive Trance, Downtempo und verwandte Genres stehen im Vordergrund. Durch die unmittelbare Umgebung von Bergen, Wäldern und dem rauschenden Inn entsteht eine Symbiose aus Sound und Natur, die ihresgleichen sucht.
Besonders bei Sonnenaufgang, wenn sich der Nebel langsam über die Zelte legt und die ersten Lichtstrahlen durch das Tal gleiten, wirkt die Musik wie ein verbindendes Element zwischen Mensch und Umgebung. Viele tanzen barfuß auf der Wiese, andere sitzen still und beobachten das Treiben – ein echtes Erlebnis fürs Auge und Ohr.
Ein Festival mit Verantwortung
Trotz aller Ausgelassenheit legt das Burning Mountain Festival grossen Wert auf Nachhaltigkeit. Die Veranstalter verfolgen ein Zero-Waste-Konzept: Besucher werden motiviert, ihren Müll wieder mitzunehmen, und es gibt zahlreiche Stationen zum Recyclen. Trinkwasser wird kostenlos angeboten, und Einwegplastik wird konsequent vermieden.
Ein besonders erwähnenswerter Aspekt ist das „Leave No Trace“-Prinzip, das sich nicht nur auf Sauberkeit bezieht, sondern auch auf Respekt gegenüber Natur und Mitmenschen. Viele Helfer:innen engagieren sich freiwillig, um das Gelände in seinem ursprünglichen Zustand zu hinterlassen – ein starkes Zeichen für ökologische Achtsamkeit in der Festivalkultur.
Workshops und Community-Spirit
Abseits der Musikbühnen pulsiert das Festival in einer Reihe von Workshops und Gemeinschaftsangeboten. Meditation am Flussufer, Yoga im Morgengrauen, Vorträge über Heilpflanzen oder gemeinsames Trommeln am Lagerfeuer – das Angebot ist so vielfältig wie die Teilnehmenden selbst.
Diese Angebote unterstreichen den gemeinschaftlichen Geist des Ereignisses. Viele der Besucher:innen reisen allein an und finden schnell Anschluss – beim gemeinsamen Kochen, Tanzen oder Bauen kleiner Kunstprojekte. Es ist die Art von Festival, bei dem man nie das Gefühl hat, nur Zuschauer zu sein. Man ist Teil davon.
Praktische Tipps für die eigene Erfahrung
Der Weg nach Zernez ist bereits ein Erlebnis. Wer mit der SBB anreist, wird mit einer atemberaubenden Zugfahrt durch das Engadin belohnt. Vom Bahnhof ist das Festivalgelände fussläufig erreichbar – denkbar einfach und umweltfreundlich.
Einige Tipps für den eigenen Aufenthalt:
- Passen Sie Ihr Gepäck an: Tagsüber kann es heiss werden, nachts sinken die Temperaturen oft deutlich unter 10°C. Gute Ausrüstung ist ein Muss: Warmer Schlafsack, robuste Schuhe, Sonnenschutz.
- Wasser mitnehmen: Auch wenn Trinkwasser verfügbar ist, empfiehlt sich eine eigene Trinkflasche. Viele besuchen Workshops oder Camps, in denen man stundenlang verweilt – Mobilität ist ein Vorteil.
- Respektvolles Verhalten: Die Atmosphäre auf dem Festival basiert auf Vertrauen, Offenheit und Rücksichtnahme. Wer diese Werte teilt, fühlt sich schnell zuhause.
- Ohren und Augen offenhalten: Vieles ist spontan – ein DJ-Set mitten im Wald, ein improvisiertes Theaterstück im Zelt oder eine Feuershow am Fluss.
Warum das Burning Mountain einzigartig ist
Im Vergleich zu anderen Festivals ist das Burning Mountain kein Spektakel im klassischen Sinne – keine hoch bezahlten Superstars, kein künstlich erzeugter Glanz. Es ist ein authentisches, von Freiwilligen getragenes Erlebnis, das seinen Reiz durch die Menschen erhält, die daran teilnehmen. Kunstschaffende, Tänzer:innen, DJs, Yogalehrer:innen, neugierige Besucher – sie alle bringen ihre Energie mit ein.
Einige Besucher beschreiben das Festival als „Reset-Knopf für die Seele“. Andere kommen jedes Jahr wieder, weil es der einzige Ort ist, an dem sie sich wirklich frei fühlen. Was auch immer man sucht – Ruhe, Inspiration, Ekstase oder einfach Gemeinschaft – es ist sehr wahrscheinlich, dass man es am Burning Mountain findet.
Ein Ort, an dem Kultur in der Natur lebt
Wer sich für Outdoor-Abenteuer, Landschaftsfotografie oder kulturelle Phänomene interessiert, sollte überlegen, dieses Event einmal selbst zu erleben. Die Kombination aus hochalpiner Landschaft, alternativer Kunstszene und pulsierender Musik macht das Burning Mountain zu einem Ort gelebter Kreativität – fernab vom Massentourismus, nah am Puls der Gegenwart.
Es ist ein Festival, das nicht konsumiert, sondern gemeinsam gestaltet wird. Ein Ort, der Fragen aufwirft, Perspektiven verändert und bleibende Erinnerungen schafft. Und vielleicht findet man im Schein des brennenden Berges sogar ein Stück von sich selbst.
Wer bereit ist, sich auf das Unbekannte einzulassen, wird in Zernez möglicherweise weit mehr finden als nur ein Musikfestival – eine Erfahrung, die bleibt.